30.1.2017

"International unterwegs"

Unterstützung für Kultur- und Kreativschaffende auf dem Weg ins Ausland

Es gibt für Kultur- und Kreativschaffende vielerlei Gründe, sich auf den Weg ins Ausland zu machen: um Erfahrungen zu sammeln, dazuzulernen, Kooperationspartner zu finden und Kooperationen auf den Weg zu bringen. Oder um neue Märkte für innovative Produkte zu erschließen.

Für alle diese Zwecke gibt es Unterstützungen und staatliche Förderungen: für Studien- und Arbeitsaufenthalte, für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben sowie für internationale Kooperationen und Koproduktionen bis hin zur Ausstellungs- und Tourförderung. Nicht zu vergessen die Gelegenheiten, unternehmerische Erfahrungen zu sammeln, oder die staatlichen Förderprogramme, um Absatzmärkte zu erschließen.

Kreative - oft von Hause aus international orientiert

So vielfältig, wie die Gründe für Auslandsaktivitäten, so vielfältig sind die Akteure, die hier unterwegs sind. Beispielsweise auch Spiele-Entwickler wie Michael Benrad. Seine Firma Beardshaker Games ist auf kleine Rätsel-, Denk- und Abenteuerspiele spezialisiert. Diese Spiele entwirft und entwickelt Beardshaker entweder in Eigeninitiative oder aber im Kundenauftrag. Michael Benrad: "So haben wir z.B. für die Jugendarbeit der Skatverbände das eher komplizierte Kartenspiel Skat leicht erklärt, sodass man nach vier, fünf Stunden Spielzeit einige Techniken, Taktiken und Strategien drauf hat, um im Skat bestehen zu können." 

Auch wenn Skat typisch Deutsch anmutet: Beardshaker ist und war immer schon international orientiert. "Allein schon dadurch, dass wir unsere Spiele immer im Internet veröffentlicht haben", erklärt Michael Benrad. "Denn das ist ja schon von Natur aus international, weil jede Spielseite überall auf der Welt abgerufen werden kann. Eins unserer ersten Spiele war beispielsweise in Brasilien sehr beliebt." 

Damit Spiele weltweit funktionieren, müssen sie übersetzt werden, so Michael Benrad weiter. "Dafür gibt es die EFIGS-Faustregel. Damit sind die großen Fünf oder eher die kleinen Fünf der Sprachen gemeint, die man auf jeden Fall abdecken sollte. Also Englisch, Französisch, Italienisch, German und Spanish. Unser aktuelles Spiel wird in elf Sprachen übersetzt. Darunter zum Beispiel Hindi und Chinesisch. In Indien wird viel nämlich gespielt, in China auch immer mehr, und zwar ohne zu kopieren."

Auf dem Weg ins Ausland hat Beardshaker kürzlich staatliche Förderung in Anspruch genommen. Denn, so sagt Michael Benrad: "Als junges Unternehmen mit den Spielen Geld verdienen zu wollen, hat Höhen und Tiefen. Und wir wollten die Tiefen ausschließen und nicht nur darauf warten, dass Auftraggeber bei uns anklingeln. Oder eben nicht."


Beispiel: Information und Beratung durch touring artists

Zu den öffentlichen Angeboten zählt beispielsweise auch das Online-Informationsportal touring artists (www.touring-artists.info). Es wird vom Internationalen Theaterinstitut (ITI)/Zentrum Bundesrepublik Deutschland und der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) gemeinsam betrieben. Zielgruppe sind deutsche und in Deutschland lebende Kreative, die zeitweise im Ausland tätig werden wollen, sowie diejenigen, die temporär in Deutschland arbeiten möchten. Das Portal bietet - auf Deutsch und Englisch - umfassende Informationen zu den Themen Visa/Aufenthalt, Transport/Zoll, Sozialversicherung, Steuern, weitere Versicherungen, Urheberrecht und Förderung. 

Den Grund dafür, touring artists aus der Taufe zu heben, beschreibt Thomas Weis vom der IGBK so: "Die Künstler werden immer mobiler und sind immer stärker in internationale Projekte involviert. Aber wir haben festgestellt, dass es da große Informationsdefizite gibt. Viele Künstlerinnen und Künstler müssen, wenn sie ins Ausland eingeladen werden, das ganze Projekt und ggf. auch den Transport ihrer Werke selbst organisieren. Dabei sind sie dann sehr häufig mit Fragen konfrontiert, die mit Transport-, Zoll- und Versicherungsfragen zusammenhängen."

So haben beispielsweise, so Thomas Weis, viele Künstlerinnen und Künstler bei der Einfuhr von Kunstwerken ins Ausland sowie der Wiedereinfuhr nach Deutschland einen großen Informationsbedarf. "Das betrifft Transporte über die Europäische Union hinaus. Nicht alle Länder handhaben das gleich. Aber oft ist das Prozedere mit viel Aufwand und Bürokratie verbunden. Und hier hält touring artists beispielsweise Informationen darüber bereit, wie man die Abläufe zumindest vereinfachen und korrekt abwickeln kann."

Er sei zudem von den Kolleginnen und Kollegen vom Internationalen Theaterinstitut darauf aufmerksam gemacht worden, wo es bei den darstellenden Künsten zuweilen hake. So werfe zum Beispiel die sogenannte Ausländersteuer immer wieder Fragen auf: "Wenn eine Tänzerin, die ihren Wohnsitz in Belgien hat, auf einem Festival in Deutschland performt, wird sie hierzulande beschränkt steuerpflichtig. Was bedeutet das konkret - für die Tänzerin, aber auch für den Festivalveranstalter? Was sollte sie bei der Honorarverhandlung beachten? Wie läuft das Verwaltungsverfahren ab? Und wie vermeidet sie, dass sie das Honorar zusätzlich in Belgien versteuern muss? Auch auf diese Fragen finden sich auf touring artists Antworten."

Schon jetzt: das touring artists Beratungsangebot für alle Kreativen

Dabei sind alle Informationen von touring artists derzeit noch auf bildende und darstellende Künstler ausgerichtet. "Aber mit dem Ziel, das perspektivisch auszuweiten," so Thomas Weis. "Wir haben derzeit 16.000 bis 17.000 Besucher pro Monat auf unserer Seite, und wir wissen, dass sehr viele Künstler auch anderer Sparten mit dabei sind. Es gibt aber u.a. aus dem Musikbereich Fragen, die touring artists noch nicht abdeckt. Sie werden beispielsweise nichts finden zum Thema Musikinstrumententransport. Für diese Zielgruppen ist geplant, in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen, unser Angebot zu erweitern." 

Schon jetzt bietet touring artists bei Bedarf eine zusätzliche kostenlose Beratung für Künstler und Kulturschaffende an, die auch anderen Sparten offen steht: persönlich, per Telefon oder E-Mail; zu internationalen Projekten und Arbeitsaufenthalten im Ausland und für ausländische Künstlerinnen und Künstler, die hier temporär arbeiten. Das touring artists Beratungsangebot ist eine Kooperation der IGBK und des ITI mit SMartDe - Netzwerk für Kreative e.V und wird - ebenso wie das Online-Portal touring artists selbst - gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Beispiel: "Türöffner" Markterschließungsprogramm

Auch für Firmen wie Beardshaker hat touring artists derzeit schon viel zu bieten. Profitiert hat Beardshaker aber auf seinem Weg in die weite Welt von einer ganz anderen Förderhilfe: dem Markterschließungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Es unterstützt kleine und mittlere Unternehmen und auch Freie Berufe dabei, sich international zu positionieren, beispielsweise durch Informationsveranstaltungen, Markterkundungen, Geschäftsanbahnungen oder Informationsreisen ins Ausland: In Frage kommt das Markterschließungsprogramm z.Zt. vor allem für Architekten, Designer, Galerien, Musikinstrumentenhersteller oder Veranstalter von Kulturevents. Und Spiele-Entwickler wie Michael Benrad. "Wir haben einen Anruf bekommen, von der Deutsch-Irischen Außenhandelskammer (AHK) in Dublin. Die hat uns dazu eingeladen, irische Unternehmen kennenzulernen, die Spiele-Entwickler für ihre Marketing-Aktivitäten suchen." 

Auf Beardshaker ist die AHK Dublin dabei nicht zufällig gestoßen. "Wir hatten im Vorfeld eine Agentur beauftragt, in Deutschland nach in Frage kommenden Games-Unternehmen zu recherchieren", berichtet der irische AHK-Mitarbeiter Ronan Harbison. "Die Unternehmen mit Games-Bedarf hier in der Republik kannten wir. Und dann haben wir die deutschen und irischen Kandidaten zusammengebracht."

Für Michael Benrad bedeutete dies seine erste Geschäftsreise. "Ich wurde dort mit offenen Armen empfangen und zu den Firmen begleitet. Und Ronan hat mich mit Rat und Tat unterstützt. Das Ganze war nicht nur interessant, sondern auch geschäftlich erfolgreich. Ich war bei insgesamt fünf oder sechs Firmen. Und bei der einen Firma hat es dann tatsächlich auch mit einem Auftrag geklappt. Im Health-Care-Sektor. Es geht um ein Spiel für ein Gerät, das der Stressregulierung dient. So bisschen wie eine Fitness-App, nur für die geistige Gesundheit." 

Auch für die AHK Dublin ein Wunschergebnis. Sie hatte sich für die Durchführung dieses Projekts beim deutschen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beworben und einen Zuschlag erhalten. Aus dem Projekttopf des Markterschließungsprogramms haben Ronan Harbison und seine Mitstreiter dann finanzielle Mittel erhalten, um das deutsch-irische Unternehmenstreffen vorzubereiten und durchzuführen. 

Michael Benrad musste - wie beim Markterschließungsprogramm üblich - für seine Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten selbst aufkommen. "Die Kosten von vielleicht 1.000 Euro haben wir durch den Auftrag zigfach wieder reingeholt", sagt er zum Schluss. Und nein: Allein hätte Beardshaker das niemals hinbekommen. "Das war zum einen die Vorrecherche - die war wirklich sehr umfangreich. Zum anderen die Sondierung des Marktes - hätten wir selber niemals machen können. Das können kleine Firmen allein kaum leisten. Und dann tatsächlich zu einer Firma hinzugehen und uns vorzustellen und zu sagen, das ist unsere Dienstleistung - habt ihr da einen Bedarf? Und die sagen: Ja, haben wir. Das war toll."


Auslandsförderung finden: Förderdatenbanken

Fast alle Informationen zu Förderprogrammen und Förderhilfen für Kultur- und Kreativschaffende sind in diesen Datenbanken zu finden.

Förderdatenbank des Bundes

Die Förderdatenbank bietet einen Überblick über die Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union. Im Mittelpunkt stehen Förderhilfen für Existenzgründer und Selbständige sowie für kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Ab sofort können Interessierte sowie Berater in der Förderdatenbank zielgenauer nach passenden Förderprogrammen speziell für die Kultur- und Kreativwirtschaft suchen. Unter "Förderberechtigte", der Detailsuche für einzelne Programme, ist nun erstmalig bei den Branchen auch die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgeführt.

www.foerderdatenbank.de

 

Deutsches Informationszentrum Kulturförderung

Das Deutsche Informationszentrum Kulturförderung stellt einen Onlinekatalog mit Informationen über private und öffentliche Förderer von Kunst und Kultur in Deutschland zur Verfügung. Neben der Recherchemöglichkeit nach Förderern können in einem "Projektmarkt" auch Projekte vorgestellt werden, für die Partner und Förderer gesucht werden.

Die Datenbank ist ein Projekt in der Trägerschaft des Bundesverbandes Deutscher Stiftungenundlistet Stipendien, Wettbewerbe und Preise für folgende Sparten:

www.kulturfoerderung.org

 

Kulturpreise

Eine Übersicht über Preise, Ehrungen, Stipendien und andere Förderprogramme im Kultur- und Medienbereich bietet die Online-Ausgabe des Handbuchs der Kulturpreise. Die Datenbank listet Stipendien, Wettbewerbe und Preise für folgende Sparten:

www.kulturpreise.de

 

Selbstverständlich sollte die Datenbanksuche nicht die Nachfragen und Recherchen "vor Ort" ausschließen. Für viele Belange, z.B. günstigen Atelier- oder Büroraum, sind die lokalen und regionalen Ansprechpartner, Verbände und Netzwerke die wichtigsten Ansprechpartner.



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